Evangelische Kirche St. Nicolai Frauenwald


Beschreibung

St. Nicolai – Kleine Kirche mit langer Geschichte

Im Jahr 1177 verirrte sich Graf Poppo von Henneberg bei einer Jagd im Thüringer Wald. Ein Köhler brachte ihn auf die Erfurt-Nürnberger Geleitstraße zurück. Aus Dank erfüllte Poppo dessen Wunsch, an dieser Stelle eine Kapelle zu errichten – die Nikolauskapelle, benannt nach dem Schutzheiligen der Fuhrleute.

1218 übertrug Graf Poppo die Kapelle samt Einsiedelei dem Kloster Veßra. Dort entstand eine Probstei mit Frauenstift, das den Namen trug: „Zur Nikolauskapelle und dem Kloster – zu den Frauen auf dem Walde, zu St. Nikolaus.“

Mit der Reformation wurde das Kloster 1554 aufgelöst und abgetragen. Nur die Klosterkirche blieb erhalten. Der Turm wurde mehrfach erneuert, zuletzt 1777.

Nach dem Übergang Frauenwalds an Preußen 1815 plante die Regierung in Erfurt einen Ersatzneubau für die alte Holzkirche. 1830/31 entstand nach Entwurf von Karl Friedrich Schinkel eine schlichte, turmlose Kirche aus Stein. Am 3. August 1831 wurde sie eingeweiht.

Seitdem feiert Frauenwald fast jedes Jahr das Kirchweihfest – die „Kirmes“. Ein Brauch: Die Kirchweihmädchen und Burschen pflanzten Ahornbäume vor der Kirche und gossen sie symbolisch mit Gießkannen. Diese Tradition lebt im Kirmesumzug bis heute fort.

1888 wurde die Orgel durch Theodor Kühn (Schleusingen) erbaut – eine mechanische Schleifladenorgel mit barocker Prägung, zwei Manualen und 15 Registern.

1910/11 erhielt die Kirche für 18.000 Mark einen eingezogenen Glockenturm mit zwei seitlichen Treppenaufgängen zur Empore.

Im Ersten Weltkrieg mussten zwei der drei Bronzeglocken abgegeben werden. 1919 sorgte der Fabrikant Kahl für Ersatz. Der Zweite Weltkrieg beschädigte den Turm schwer; 1955 erhielt er drei neue Stahlglocken von der Firma Schilling (Apolda).

Nach rund dreijähriger Restaurierung erklang die Kühn-Orgel 2023 erstmals wieder im vollen barocken Klang – zum Reformationsgottesdienst.

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